Samstag, 21. Januar 2017

Die Trickle-down-Theorie tröpfelt nur auf dem Papier und der Reichtum konzentriert sich, (nicht nur) in den USA

Jetzt ist er es auch offiziell. Donald Trump wurde als Präsident der USA vereidigt. In vielen Medien wird nun gerätselratet, was da auf uns mit ihm zukommen wird.
Volkswirtschaftlich interessant ist da ein Blick zurück, auf das, was man sehen kann, weil sich an diesen Erfahrungen auch die wirtschaftspolitischen Entscheidungen des neuen Präsidenten messen lassen müssen. Dazu beispielsweise Stephan Kaufmann in seiner Analyse Reichtum konzentriert sich.
»Die US-amerikanische Wirtschaft erzielte in den vergangenen Jahrzehnten meist hohe Wachstumsraten. Vom wachsenden Kuchen aber hat gut die Hälfte der Amerikaner nichts abbekommen.«  Nach neuen Berechnungen - er bezieht sich dabei auf die Ökonomen Thomas Piketty, Emmanuel Saez und Gabriel Zucman - hat rund die Hälfte aller Amerikaner nichts vom wachsenden Kuchen. Ihr Einkommen stagniert – seit 35 Jahren. Er spricht damit auch die Trickle-down-Theorie an. Eine schön daherkommende Theorie, die aber eben vor allem Theorie ist: Teile des wachsenden Reichtums sollen nach unten zu den Ärmeren „tröpfeln“. Wenn man einem Pferd genug Hafer gibt, wird auch etwas auf der Straße landen, um die Spatzen zu füttern: Deshalb wird das Modell auch despektierlich als "Pferdeäpfel-Theorie" bezeichnet.

»Die Idee ist bestechend: Mit der Wirtschaft geht es aufwärts, den Unternehmen geht es gut, der Wohlstand wächst – und alle haben etwas davon. Jahrelang haben viele Ökonomen die Theorie mit Hingabe wiederholt ... Die Flut hebt alle Boote, davon zeigten sich viele ... felsenfest überzeugt ... Auch wenn anfangs davon nur die oberen Zehntausend profitieren, sickere der neue Reichtum nach und nach auch nach unten durch, so die These. Angelsächsische Ökonomen haben dafür den Begriff "trickle down effect" geprägt.«, so bereits 2013 Regina Brückner in ihrem Artikel Gelehrtenträume: Reichtum tröpfelt nicht nach unten.

Aber wie so oft müssen Theorie und Wirklichkeit nicht passungsfähig sein. Der australische Volkswirt John Quiggins, Autor des Buches "Zombie Economics", zählt die "trickle down"-These zu den wirtschaftswissenschaftlichen Theorien, die auf ganzer Linie gescheitert sind, so Brückner.
Das Wirtschaftswachstum der vergangenen beiden Jahrzehnte sei an den Armen vorbeigegangen, besagte auch eine Studie der Volkswirte Ravi Kanbur und Andy Sumner im Jahr 2011 (vgl. dazu: Ravi Kanbur and Andy Sumner: Poor countries or poor people? Development assistance and the new geography of global poverty).

Und ein weiterer von Brückner zitierter Einwand: Ein Forscherteam um Dan Andrews von der Harvard University hat den Zusammenhang zwischen Ungleichheit und Wachstum am Beispiel von zwölf Industriestaaten und für die Jahre von 1905 bis 2000 untersucht. Das Fazit: "Wir finden keine systematische Beziehung zwischen dem Einkommensanteil der Topverdiener und dem Wirtschaftswachstum."

Wieder zurück in die USA. Auch Mark Schieritz diagnostizierte im vergangenen Jahr in seinem Artikel Der Kapitalismus soll netter werden unter der Überschrift "Trickle-down: Die gescheiterte Theorie von den Brosamen, die herunterfallen":
»Die amerikanischen Haushaltseinkommen sind – nach Abzug der Inflation – seit den siebziger Jahren praktisch nicht mehr gestiegen. Damals verfügte das reichste Prozent der Bevölkerung über rund acht Prozent des Nationaleinkommens. Heute sind es rund zwanzig Prozent. Die Reichen haben das Geld nicht ausgegeben, sondern auf dem Bankkonto deponiert oder an der Börse angelegt. Und an die Stelle vieler gut bezahlter Vollzeitjobs in der Industrie traten prekäre Beschäftigungsverhältnisse.«
Auch Stephan Kaufmann wirft einen Blick auf die Daten der Vergangenheit: »Zwischen 1980 und 2014 wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) – der Wert aller produzierten Waren und Dienstleistungen – in den USA real von etwa sechs auf rund 16 Billionen Dollar. Pro erwachsenem Amerikaner legte das BIP um etwa 60 Prozent zu. Dennoch verdienten Erwerbstätigen aus der unteren Hälfte der Einkommensstruktur abzüglich Inflation 2014 durchschnittlich so viel wie 1980: 16.000 Dollar ... Wer bekam also wie viel vom gewachsenen Kuchen? Das reichste ein Prozent erhielt rund ein Drittel, die reichsten zehn Prozent zwei Drittel, ein Drittel ging an die Mittelklasse. Die ärmeren 50 Prozent der Erwerbstätigen, immerhin 117 Millionen Erwachsene, erhielten: nichts.«

Das ist nicht nur, aber auch eine Ursache für den Aufstieg des Donald Trump gewesen. Der zugleich offensichtlich auch auf die (widerlegte) Trickle-down-Theorie setzt, denn er plant enorme Steuersenkungen (vor allem für die Reichen), ob bewusst oder aus dem Bauch heraus sei mal dahingestellt mit der Annahme, dann wird schon was von oben für die da unten abfallen. Die Geschichte wird zeigen, dass die Geschichte ihm vorher hätte zeigen können, dass man das lieber sein lassen sollte. Weil es nicht funktioniert.