Donnerstag, 23. März 2017

Wo Frauen offensichtlich günstig zu haben sind. Vergütungsunterschiede in den oberen Etagen und dann auch noch in öffentlichen Unternehmen

Erst vor wenigen Tagen wurde mal wieder berichtet über die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern. Anlass war wie jedes Jahr der sogenannte "Equal Pay Day" (vgl. dazu mit einigen kritischen Anmerkungen die in der Öffentlichkeit zirkulierenden Aussagen betreffend den Beitrag Wenn aus nicht falschen Zahlen falsche Ableitungen gemacht werden und die strukturellen Probleme unter die Räder der Lagerbildung kommen. Anmerkungen zum "Equal Pay Day" vom 18. März 2017). Nun kann und muss man über die zahlreichen strukturellen Faktoren diskutieren, die zu den Verdienstunterschieden zwischen Frauen und Männern führen bzw. diese stabilisieren. Aber in vielen Bereichen, zumindest dort, wo es Tarifverträge und betriebliche Mitbestimmung gibt, dürften die Verdienstunterschiede zwischen Frauen und Männer nicht besonders groß sein. Vor allem nicht im öffentlichen Dienst, denn dass Angestellte oder Beamte deswegen schlechter bezahlt werden, weil sie Frauen sind, ist recht weit hergeholt. Wie immer im Leben gibt es aber ein "Aber". Und das wurde jetzt sichtbar gemacht - in öffentlichen Unternehmen und ganz oben, bei den Führungskräften dieser Unternehmen.

Jährlich wird von Ulf Papenfuß und seinem Team von der Zeppelin Universität die Vergütungsstudie zur Top-Managementvergütung öffentlicher Unternehmen erstellt und publiziert. Die Studie , deren Erstellung vom Deutschen Städtetag unterstützt wird, beinhaltet die aktuellsten, verfügbaren Vergütungsdaten von über 2.500 Top-Managementmitgliedern aus über 1.300 maßgeblich beeinflussten Unternehmen der öffentlichen Hand (Beteiligungsanteil mind. 50%), allen Städten mit über 30.000 Einwohnern/innen, allen Landkreisen sowie von der Bundes- und Landesebene und über 20 Branchen.
Der Studie kann man allerlei interessante Informationen entnehmen. Beispielsweise die branchenübergreifende durchschnittliche Gesamtvergütung pro Kopf auf kommunaler Ebene: 141.433 Euro (Angaben stets Medianwerte). Und die Information über substanzielle Vergütungsunterschiede: Die Vergütung pro Kopf von Mitgliedern des Top-Managements z.B. bei Stadtwerken liegt bei 217.500 Euro und ist damit mehr als doppelt so hoch wie in der Branche in Gesundheit und Soziales mit "nur" 87.791 Euro. Aber hier soll ein ganz besonderer Aspekt in den Mittelpunkt gestellt werden, den man auch den Daten der Vergütungsstudie entnehmen kann - ein offensichtliches Gefälle zwischen den Männern und Frauen auf der Führungsebene dieser Unternehmen.

Unter der plakativ daherkommenden Überschrift 25 000 Euro weniger für die Chefin berichtet Thomas Öchsner in der Süddeutschen Zeitung: »Frauen verdienen als Top-Managerinnen in öffentlichen Unternehmen deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen. Die Unterschiede können dabei mehrere Zehntausend Euro im Jahr betragen.«
Und er belegt das mit Bezug auf die Vergütungsstudie mit harten Euro-Beträgen:
»Eine Frau, die dem Führungsgremium eines kommunalen Unternehmens mit mehr als 250 Arbeitnehmern angehört, verdiente 2015 der Studie zufolge durchschnittlich 175.000 Euro jährlich. Männer in dieser Hierarchiestufe kommen hingegen auf 200.000 Euro. Ähnlich groß ist die Lücke bei den Sparkassen: Frauen in der Führungsspitze kassieren dort im Durchschnitt knapp 300.000 Euro im Jahr, Männer 324.000.«
Der Studienautor Papenfuß weist an dieser Stelle relativierend darauf hin, dass man "unterschiedliche Funktionen beziehungsweise Positionen" im Top-Management als ein Erklärungsfaktor für die Unterschiede berücksichtigen müsse. »Ein weiblicher Personalvorstand könnte also zum Beispiel weniger bekommen als ein männlicher Finanzvorstand.« Dennoch sind die geschlechtsbezogenen Differenzen dadurch sicher nicht ausreichend erklärbar.

Der eine oder andere mag einwenden, der Fortschritt ist eben eine Schnecke, gerade in solchen Bereichen und die offensichtliche Lücke wird sich sicher in den kommenden Jahren sukzessive schließen. Aber das kann noch dauern und begründungspflichtig ist das allemal.

Abbildung: Vergütungsstudie

Sell, Stefan (2017): Wo Frauen offensichtlich günstig zu haben sind. Vergütungsunterschiede in den oberen Etagen und dann auch noch in öffentlichen Unternehmen, Aktuelle Wirtschaftspresse, 23.03.2017