Donnerstag, 6. April 2017

Arbeitskosten in der EU im Jahr 2016 - von ganz tief bis sehr hoch

Im Jahr 2016 lagen die durchschnittlichen Arbeitskosten pro Stunde in der gesamten Wirtschaft (ohne Landwirtschaft und öffentliche Verwaltung) in der Europäischen Union (EU) schätzungsweise bei 25,4 Euro und im Euroraum bei 29,8 Euro. Wie gesagt, im Durchschnitt. Hinter diesen Werten verbirgt sich eine beeindruckende Streuung zwischen den Ländern der EU, berichtet Eurostat: Arbeitskosten pro Stunde lagen 2016 in den EU-
Mitgliedstaaten zwischen 4,4€ und 42,0€, so ist die Mitteilung der europäischen Statistikbehörde überschrieben. »Die niedrigsten Arbeitskosten pro Stunde wurden in Bulgarien (4,4€), Rumänien (5,5€), Litauen (7,3€), Lettland (7,5€), Ungarn (8,3€) und Polen (8,6€) verzeichnet und die höchsten in Dänemark (42,0€), Belgien (39,2€), Schweden (38,0€), Luxemburg (36,6€) und Frankreich (35,6€).«

Die hier von Eurostat ausgewiesenen Arbeitskosten setzen sich aus Löhnen und Gehältern sowie Lohnnebenkosten, wie bspw. den Sozialbeiträgen der Arbeitgeber, zusammen. Der Anteil der Lohnnebenkosten in der gesamten Wirtschaft betrug in der EU 23,9% und im Euroraum 26,0% und reichte dabei von 6,6% in Malta bis 33,2% in Frankreich.

Methodisch muss man wissen: Die Daten beziehen sich auf Unternehmen mit 10 oder mehr Beschäftigten und basieren auf den Daten der Arbeitskostenerhebung 2012, die unter Verwendung des Arbeitskostenindex extrapoliert wurden (weiterführende Informationen zu den Daten gibt es hier: Eurostat: Hourly labour costs). 

 Deutschland lag mit 33 Euro pro Arbeitsstunde im oberen Mittelfeld der 28 EU-Staaten, Platz 8. Im EU-Durchschnitt stiegen die Arbeitskosten um 1,6 Prozent auf 25,40 Euro und 29,80 Euro in der Eurozone. Einzig im wirtschaftlich angeschlagenen Italien gingen sie geringfügig zurück, um 0,8 Prozent. In Deutschland verteuerte sich die Arbeitsstunde um 2,5 Prozent im Vergleich zum Jahr 2015, so die Zusammenfassung in dieser Meldung: So viel kostet Arbeit in Europa. Dort findet man auch diesen Hinweis:
»Die Daten zeigen deutlich auch die Wohlstandsunterschiede in der EU. Politisch sind sie bedeutsam, weil Menschen aus den Niedriglohnländern oft besser bezahlte Arbeit in wohlhabenderen Mitgliedstaaten suchen.«

Man muss natürlich darauf hinweisen, dass es nicht ausreicht, die durchschnittlichen Arbeitskosten zwischen den Ländern zu vergleichen, denn volkswirtschaftlich relevanter sind die Lohnstückkosten, bei denen die Arbeitskosten in Relation gesetzt werden zur Produktivität.

Dennoch erkennt man auch in den "unbereinigten" Arbeitskosten, wie groß das ökonomische Gefälle innerhalb der EU ist. Und selbst im Euro-Raum haben wir es mit einer ganz erheblichen Spannweite zu tun - und das bei einer einheitlichen Währung. 

Stefan Sell (2017): Arbeitskosten in der EU im Jahr 2016  - von ganz tief bis sehr hoch. Aktuelle Wirtschaftspresse, 06.04.2017