Montag, 3. April 2017

Es ist wieder Krieg. Also genauer: Handelskrieg. Zumindest wird damit gedroht und für ein Exempel muss der Stahl herhalten

Zumindest, wenn man denn den martialischen Schlagzeilen folgt: Der Handelskrieg beginnt, sei hat Frank-Thomas Wenzel seinen Artikel überschrieben. Etwas abgeschwächter in der Wortwahl, aber in die gleiche Richtung, die Online-Ausgabe der ZEIT: Trump riskiert einen Handelskrieg:
»US-Präsident Donald Trump hat zwei Erlasse zur Unterstützung der amerikanischen Industrie unterzeichnet. Darin werde eine Prüfung des US-Handelsdefizits angeordnet sowie ein Vorgehen gegen Staaten, die sich auf unzulässige Weise einen Vorteil aus Handelsvorschriften verschaffen, kündigte Trump an ... Demnach fallen unter unfaire Handelspraktiken Dumpingpreise, unerlaubte Subventionen und fehlgeleitete Wechselkurse. Trump sind die hohen Defizite im Handel mit Ländern wie China und Deutschland seit Langem ein Dorn im Auge.«

Als Hintergrund für diese Zuspitzung muss wie so oft auf ein ökonomisches Ungleichgewicht hingewiesen werden: Das Handelsdefizit der USA ist im vergangenen Jahr noch einmal gestiegen, und zwar auf 481 Milliarden Dollar. Das bedeutet, die USA importieren deutlich mehr Waren, als sie in andere Länder exportieren.

»Die US-Regierung macht Ernst beim Thema Protektionismus. Als erste deutsche Firmen sind die Stahlkocher der Salzgitter AG und der Dillinger Hütte betroffen. Beide Firmen sollen Strafzölle zahlen. Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) fordert einen Gegenschlag der EU-Kommission: Das erste Kapitel im Drehbuch für einen Handelskrieg ist aufgeschlagen«, so Wenzel in seinem Artikel.

Man kann das natürlich auch weniger als tatsächliche Aufnahme handelskriegerischer Akte betrachten, sondern als einen öffentlichkeitswirksamen Schuss vor den Bug desjenigen, der wirklich beeindruckt werden soll - und das ist nicht die EU oder gar die Stahlbranche. Sondern China. Die Ankündigung der Maßnahmen gegen die Stahlunternehmen kommt nur wenige Tage vor dem ersten Treffen Trumps mit Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping. Das Thema Handel wird eines der maßgeblichen Gesprächsthemen sein, wenn sich beide am 6. und 7. April in Florida treffen.

Aber warum wird zuerst in der Stahlbranche zugeschlagen? »Das hat hochgradig symbolischen Charakter, denn die Stahlindustrie steht für die Branchen, die Trump wieder stark machen und deshalb vor angeblich unfairen ausländischen Konkurrenten schützen will.«

»Die US-Regierung geht von Dumping aus, wenn Produkte unter ihrem "fairen Wert" verkauft werden. Handelsminister Ross sagte, eine gründliche Untersuchung habe ergeben, dass dies in der Vergangenheit bei Stahlproduzenten aus Österreich, Frankreich, Belgien, Deutschland, Italien, Japan, Südkorea und Taiwan der Fall gewesen sei. Die Ergebnisse erlaubten es, Abgaben zwischen 3,62 und 148,02 Prozent des Importwerts zu verhängen. Insgesamt gehe es im Untersuchungszeitraum 2015 um Einfuhren im Wert von 732 Millionen Dollar, davon entfalle der größte Anteil, 196,2 Millionen Dollar, auf Importe aus Deutschland. Der Salzgitter AG und Dillinger werden "Dumpingraten" von 5,38 und 22,9 Prozent unterstellt. Das ist der Prozentsatz, um den der Preis nach Auffassung der US-Regierung unter die Herstellungskosten oder den Einkaufspreis gedrückt wurde.«, berichtet die ZEIT.

»Die Stahlbranche ist da ein idealer Kampfplatz für einen Streit über Dumping. Nach Berechnungen der Nord LB liegt die weltweite Auslastung der Stahlwerke mit knapp 70 Prozent „nahe historischer Tiefstände“. Das hat die Preise massiv gedrückt. Die Chinesen, die fast die Hälfte des weltweiten Stahls herstellen, werfen das Metall zu Niedrigpreisen auf den Markt, um heimische Werke zu sichern«, so Wenzel.

Ach ja, das muss auch noch erwähnt werden: Die EU selbst erhebt bereits Strafzölle aufgrund von Dumping-Preisen bei Stahlprodukten - gegen China. Darauf hatten gerade die Deutschen stark gedrungen, um heimische Arbeitsplätze zu schützen.

Foto: Pixabay

Stefan Sell (2017): Es ist wieder Krieg. Also genauer: Handelskrieg. Zumindest wird damit gedroht und für ein Exempel muss der Stahl herhalten. Aktuelle Wirtschaftspresse, 03.04.2017